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Rostiges Grab

Herbst 1973. Zwei Tagelöhner mussten an einem Abend, unter der Aufsicht ihres Chefs, Sigurd Offerlund, Torf abbauen, obwohl um diese Zeit die Saison schon vorbei war. Dort draußen im Moor und dann auch noch nachts, das war ihnen schon immer unheimlich. Jedoch wenn ihr Chef ihnen eine Arbeit schuf, dann gab es keine Widerrede. Als sie so gruben, stießen sie auf etwas Hartes, und als sie es sich näher ansahen, blickten sie in ein Gesicht. Sie sprangen sofort aus der Grube und konnten nur mit Entsetzten dorthin zurück blicken. Da kamen die Söhne von Offerlund und gruben die Leiche aus, denn sie witterten schon das große Geld. Ihr Fund wurde als der Fund des „Graumädchens“ bekannt.
Heute: Leo Asker ist Kriminalkommissarin in der Abteilung für hoffnungslose Fälle, aber sie hofft darauf, dass sie bald wieder in den normalen Kriminaldienst kommt. Hier unten, im Keller des Polizeigebäudes, hat sie es nur mit lustlosen Kollegen und Nerds zu tun. Der Polizeidirektor entschließt sich, dass der aktuelle Fall, der etwas mit einem Mordfall „Graumädchen“ zu tun hat, der nie aufgeklärt wurde, an Leo übergeben wird. In einer Torffabrik wurden zwei Youtuber, die sich gerne in verwaisten und geheimnisvollen Gebäuden umsehen, von einer Frau aus der Klapse erschrocken und diese hatte einen Finger bei sich. Dieser Finger gehört zu einem Mordopfer, welches vor zehn Jahren ermordet wurde und der Mörder nie gefunden wurde. Die Tote wurde auch als „Graumädchen“ bezeichnet, da sie beim Auffinden auch grau angezogen war. Damals wurde der Mord von Nils Herslow, dem Leiter der Ermittlung, geführt. Dieser ist jetzt bei Europol und keiner ist traurig, dass er weg ist, denn er war ein sehr unangenehmer Typ.
Leo und ihr Team starten montags immer mit einem gemeinsamen Meeting um zehn Uhr in die neue Woche. Es gibt auch immer frisches Gebäck, damit ihre Kollegen Rose, Zafer, Virgilsson und sogar Attila pünktlich erscheinen. Ihre derzeitigen Fälle sind nicht gerade erbauend, so wie es der Fall wäre, wenn ein Pärchen von Außerirdischen entführt oder eine Handvoll Verschwörungstheoretiker, die wirres Zeug glauben, wären. Da kommt Virgilsson und eröffnet ihr, dass ein neuer Fall hereingekommen ist. Asker blättert in der Akte und sieht, dass ein Pärchen um die Dreißig Anzeige erstattet hat. Es ist eine Frau aus einem Pflegeheim abgehauen und hat dem Pärchen den Finger übergeben. Die Frau wurde in die Psychiatrie nach Lund gebracht. Am Finger war ein Ehering und es stellt sich heraus, dass es zu dem Opfer des neuen „Graumädchen-Mordes“ vor zehn Jahren, also 2013, gehörte. Im November 2013 wurde die neunundzwanzigjährige Elena Resare in der alten Torffabrik erstochen. Auf der Mordwaffe finden sich die Fingerabdrücke ihres gewalttätigen Mannes, Björn Resare, der noch in der selben Nacht verschwand. Er wurde international zur Fahndung ausgeschrieben, wurde aber noch nicht gefasst.
Leo und ihr Team nehmen sich dem Fall an und hoffen darauf, dass ihre Kollegen all ihr Wissen einsetzen, um den Fall baldmöglichst lösen zu können. Als erstes müssen sie mit der Familie Offerlund sprechen, denn auf ihrem Gelände haben Elena und ihr Mann gewohnt und dort wurde sie auch ermordet aufgefunden. Leo möchte auch mit Ana sprechen, der Frau, die aus dem Heim entflohen ist und den Finger dabei hatte. Woher hatte sie den abgetrennten Finger? Ana hat eine Zwillingsschwester, Liv, auch die will Leo befragen. Da fällt ihr auch noch ihr alter Freund Hill aus Jugendtagen ein, der sich sehr gut mit alten, verlassenen Gebäuden auskennt. Jedoch irgendwie fühlt sich Leo Asker verfolgt, aber sie kann sich nicht erklären von wem. Als das Team bei seinen Ermittlungen auf Geheimnisse und Intrigen unter Kollegen aufdecken, wird ihr sogar der Fall wieder entzogen. Aber Leo wäre nicht Leo, wenn sie nicht trotzdem mit Hilfe ihrer nun sehr engagierten Kollegen den Fall aufklären würde, obwohl sich alle in sehr große Lebensgefahr begeben.

Anders de la Motte wurde am 19. Juni 1971 in Schweden geboren. Er arbeitete mehrere Jahre als Polizist und im Security-Bereich, bevor er Kriminalromane zu schreiben begann. In Schweden sind seine Romane stets auf der Bestsellerliste und wurden schon mehr als 1,5 Millionen verkauft. Er wurde bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet. Mit seiner Familie lebt er in der Nähe von Malmö.

Der dritte Band um die Ermittlerin Leo Asker und ihr Team der ungelösten Fälle war auch ohne die Vorkenntnis der beiden vorherigen Bände verständlich, spannend, aufregend und zugleich romantisch anmutend zu lesen. Ich war sofort in dem neuen Fall gefesselt, war aber auch um die Hintergründe um die Freundschaft mit Hill, ihrer Beziehung zu ihrer Mutter und auch das gestörte Verhältnis zu ihrem Vater darauf neugierig mehr darüber zu erfahren. Zwar klingt das Setting zunächst sehr bekannt nach Carl Morck und sein Team, doch findet der Autor sehr schnell seinen eigenen Weg, in den Fall einzusteigen und ihr zu lösen.

Anders de la Motte hat bewiesen, dass auch diese Romanreihe alle Register gezogen hat, die ein guter Krimi braucht, und begeistert damit Krimifans rund um den Globus. Ich freue mich jetzt schon sehr auf weitere spannende neue Fälle um Leo Asker und ihr Team, und ob Leo irgendwann doch noch befördert wird!

Gudrun Loher
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